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Manga- und Buchrezensionen

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manekineko:
Hallihallo!

Auf der Kamani wurde auch angeregt, dass wir einen Thread für Rezensionen/Besprechungen aufmachen könnten. Ich hatte mich dafür freiwillig gemeldet, habe aber seitdem nichts mehr gehört. Ist das noch gewünscht?
Soll ich das mit diesem Thread hier einfach mal anfangen?
Ist überhaupt jemand daran interessiert?

So viele Fragen, ich freue mich auf Antworten! :D

Dachkater:
ich hatte gedacht es geht erst dann richtig los, wenn die neue Forensoftware da ist?  ???

TRon:
Da spricht nichts dagegen jetzt schon mit anzufangen.

Ich würde dich dann bitten einen extra Thread aufzumachen wenn es umfangreicher wird.
Den Thread dann mit [Manga] oder [Anime] zu Beginn im Titel kennzeichnen.
So kann dann der Rest Kommentare dazu schreiben.
Für kurze Reviews (ein paar Zeilen) kannst du dir einen Sammelthread eröffnen.

Ersteinmal einfach hier, später gibt es dann einen eigenen Bereich.

Videl:
Japaner sind uns heutzutage in Düsseldorf und Umgebung überwiegend als wohlhabende Geschäftsleute vertraut. Weniger
bekannt ist hingegen, dass 1957 bis 1965 insgesamt 436 Japaner im Ruhrgebiet in relativ einfachen Verhältnissen als
Bergleute gelebt und gearbeitet haben. Sie zählten zu den ersten „Gastarbeitern“ in Deutschland und waren einem auf einem deutsch-japanischen Regierungsabkommen basierenden Aufruf gefolgt, um deutschen Bergbau kennen zu lernen und sich fortzubilden.
Die meisten von ihnen kamen ohne Deutschkenntnisse und wurden mit einer ihnen in vieler Hinsicht fremden
Welt konfrontiert. Auch die extrem harte körperliche Arbeit bedeutete für die jungen Japaner, die oft von kleinerer Statur waren als ihre deutschen Kumpel, eine Herausforderung, doch mit viel Fleiß, Einsatz und Lernbereitschaft gewannen sie die Anerkennung der Einheimischen, und es entwickelten sich diverse Kontakte und Freundschaften. Mancher Japaner blieb sogar nach Auslaufen des Vertrages dauerhaft in Deutschland; andere bewahrten auch nach der Rückkehr in die Heimat die Erinnerung an das Ruhrgebiet in ihrem Herzen, gründeten den „Glückauf Verein“ und trafen sich regelmäßig.

Dass ihre Erlebnisse und Erfahrungen nicht verloren gegangen sind, verdanken wir der Initiative von Atsushi Kataoka von der
Deutsch-Japanischen Gesellschaft am Niederrhein, die dieses Projekt mit Unterstützung von Japanologen und Studierenden mehrerer Universitäten umgesetzt hat, sodass Zeitzeugen befragt und die Thematik wissenschaftlich bearbeitet werden konnte. Die Ergebnisse wurden im September 2011 in einer Veranstaltung im Rahmen des Jubiläumsjahres „150 Jahre Freundschaft Deutschland - Japan“ vorgestellt und liegen inzwischen in Buchform vor. Dabei wird im ersten Teil der Publikation
(S. 17-98) in vier Abhandlungen das Geschehen historisch eingeordnet. Der zweite Teil (S. 99-267) bietet mit Berichten und Interviews einen plastischen Einblick in die damalige Zeit und damit einen unmittelbaren Eindruck von diesem besonderen Kapitel deutschjapanischer Geschichte. Dokumente, Fotos, Listen und andere Materialien (S. 269-318) runden dieses lesenswerte Buch ab.

„Glückauf“ auf Japanisch. Bergleute aus Japan im Ruhrgebiet. Hrsg. von Atsushi Kataoka, Regine Matthias, Pia-Tomoko Meid, Werner Pascha, Shingo Shimada. (318 S., broschiert; ISBN 978-3-8375-0699-0. Klartext-Verlag, Essen 2012. Euro 22,95)

Videl:
Kujikenaide (wörtlich „Verzage nicht“) hieß das Dichter-Debüt von SHIBATA Toyo, das seit 2012 auch in deutscher Übertragung vorliegt.
Die Gedichte dieses schmalen Bändchens beeindrucken durch natürliche Einfachheit, Herzenswärme und teils nachdenklich
stimmende, teils Trost spendende Frische. Sie sind nicht revolutionär oder sensationell, wirken vielmehr im Kleinen, in der Stille, und klingen in ihrer Schlichtheit nach. Sie können zu Tränen rühren und Mut machen, schieben dem Jugendwahn ebenso einen Riegel vor, wie sie jene, die angesichts körperlicher Hinfälligkeit zu verzweifeln drohen, aufrufen, nicht in Selbstmitleid zu zerfließen, sondern sich daran zu erinnern, welch wunderbares Geschenk das Leben ist und wie viel Schönes
sich auch im hohen Alter entdecken lässt, denn „Du bist nie zu alt, um glücklich zu sein.“

Ein Beispiel dafür ist die Dichterin selber, deren Weg als Bestseller-Autorin keineswegs vorgezeichnet war. Geboren am 26. Juni 1911 in Tochigi, schloss sie mit 20 eine vermittelte Ehe, in der sie nicht glücklich war, sodass sie sich nach einem halben Jahr wieder scheiden ließ. Mit 33 Jahren heiratete sie erneut; wenig später wurde 1945 ihr Sohn Ken‘ichi geboren. Als 1992 ihr Mann starb und Rückenschmerzen sie zwangen, ihr Hobby, den traditionellen japanischen Tanz, aufzugeben, begann sie auf Anregung ihres Sohnes damit, abends im Bett oder vor dem Fernseher Gedichte zu schreiben. 42 von ihnen veröffentlichte sie im Herbst 2009 im Selbstverlag; 2010 wurden sie als Neuauflage bei Asuka Shinsha ein Bestseller mit einer Auflage von 1,6 Mio. Der deutsche Untertitel „Lebensweisheiten einer Hundertjährigen“ übertreibt, war Shibata, als die Gedichte publiziert wurden, doch erst 98 Jahre alt; sie wurde 2011, als ihr zweiter Gedichtband erschien, 100.
Stets berührte sie mit ihren Versen die Herzen ihre Landsleute, u.a. mit „An dich im Katastrophengebiet“ (Hisaichi no anata ni) nach der Dreifachkatastrophe vom März 2011, das in vielen japanischen Internet-Foren zitiert wurde. SHIBATA Toyo starb am 20. Januar 2013 in Tōkyō im Alter von 101 Jahren nach einem erfüllten Leben.

Toyo SHIBATA: Du bist nie zu alt, um glücklich zu sein. Lebensweisheiten einer Hundertjährigen. Aus dem Japanischen von
Ursula Gräfe unter Mitarbeit von Kimiko Nakayama-Ziegler (105 S., gebunden; ISBN 978-3-86612-337-3. Pendo Verlag in der
Piper Verlag GmbH, München 2012. Euro 14,99)

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