Autor Thema: Manga- und Buchrezensionen  (Gelesen 3005 mal)

manekineko

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Manga- und Buchrezensionen
« am: 19. April 2012, 13:34:02 »
Hallihallo!

Auf der Kamani wurde auch angeregt, dass wir einen Thread für Rezensionen/Besprechungen aufmachen könnten. Ich hatte mich dafür freiwillig gemeldet, habe aber seitdem nichts mehr gehört. Ist das noch gewünscht?
Soll ich das mit diesem Thread hier einfach mal anfangen?
Ist überhaupt jemand daran interessiert?

So viele Fragen, ich freue mich auf Antworten! :D

Dachkater

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Re: Manga- und Buchrezensionen
« Antwort #1 am: 19. April 2012, 16:43:59 »
ich hatte gedacht es geht erst dann richtig los, wenn die neue Forensoftware da ist?  ???

TRon

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Re: Manga- und Buchrezensionen
« Antwort #2 am: 19. April 2012, 19:08:13 »
Da spricht nichts dagegen jetzt schon mit anzufangen.

Ich würde dich dann bitten einen extra Thread aufzumachen wenn es umfangreicher wird.
Den Thread dann mit [Manga] oder [Anime] zu Beginn im Titel kennzeichnen.
So kann dann der Rest Kommentare dazu schreiben.
Für kurze Reviews (ein paar Zeilen) kannst du dir einen Sammelthread eröffnen.

Ersteinmal einfach hier, später gibt es dann einen eigenen Bereich.

Videl

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Buchvorstellung: „Glückauf“ auf Japanisch
« Antwort #3 am: 01. Juni 2013, 14:58:57 »
Japaner sind uns heutzutage in Düsseldorf und Umgebung überwiegend als wohlhabende Geschäftsleute vertraut. Weniger
bekannt ist hingegen, dass 1957 bis 1965 insgesamt 436 Japaner im Ruhrgebiet in relativ einfachen Verhältnissen als
Bergleute gelebt und gearbeitet haben. Sie zählten zu den ersten „Gastarbeitern“ in Deutschland und waren einem auf einem deutsch-japanischen Regierungsabkommen basierenden Aufruf gefolgt, um deutschen Bergbau kennen zu lernen und sich fortzubilden.
Die meisten von ihnen kamen ohne Deutschkenntnisse und wurden mit einer ihnen in vieler Hinsicht fremden
Welt konfrontiert. Auch die extrem harte körperliche Arbeit bedeutete für die jungen Japaner, die oft von kleinerer Statur waren als ihre deutschen Kumpel, eine Herausforderung, doch mit viel Fleiß, Einsatz und Lernbereitschaft gewannen sie die Anerkennung der Einheimischen, und es entwickelten sich diverse Kontakte und Freundschaften. Mancher Japaner blieb sogar nach Auslaufen des Vertrages dauerhaft in Deutschland; andere bewahrten auch nach der Rückkehr in die Heimat die Erinnerung an das Ruhrgebiet in ihrem Herzen, gründeten den „Glückauf Verein“ und trafen sich regelmäßig.

Dass ihre Erlebnisse und Erfahrungen nicht verloren gegangen sind, verdanken wir der Initiative von Atsushi Kataoka von der
Deutsch-Japanischen Gesellschaft am Niederrhein, die dieses Projekt mit Unterstützung von Japanologen und Studierenden mehrerer Universitäten umgesetzt hat, sodass Zeitzeugen befragt und die Thematik wissenschaftlich bearbeitet werden konnte. Die Ergebnisse wurden im September 2011 in einer Veranstaltung im Rahmen des Jubiläumsjahres „150 Jahre Freundschaft Deutschland - Japan“ vorgestellt und liegen inzwischen in Buchform vor. Dabei wird im ersten Teil der Publikation
(S. 17-98) in vier Abhandlungen das Geschehen historisch eingeordnet. Der zweite Teil (S. 99-267) bietet mit Berichten und Interviews einen plastischen Einblick in die damalige Zeit und damit einen unmittelbaren Eindruck von diesem besonderen Kapitel deutschjapanischer Geschichte. Dokumente, Fotos, Listen und andere Materialien (S. 269-318) runden dieses lesenswerte Buch ab.

„Glückauf“ auf Japanisch. Bergleute aus Japan im Ruhrgebiet. Hrsg. von Atsushi Kataoka, Regine Matthias, Pia-Tomoko Meid, Werner Pascha, Shingo Shimada. (318 S., broschiert; ISBN 978-3-8375-0699-0. Klartext-Verlag, Essen 2012. Euro 22,95)

Videl

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Buchvorstellung: SHIBATA Toyo: Nie zu alt, um glücklich zu sein...
« Antwort #4 am: 01. Juni 2013, 15:03:45 »
Kujikenaide (wörtlich „Verzage nicht“) hieß das Dichter-Debüt von SHIBATA Toyo, das seit 2012 auch in deutscher Übertragung vorliegt.
Die Gedichte dieses schmalen Bändchens beeindrucken durch natürliche Einfachheit, Herzenswärme und teils nachdenklich
stimmende, teils Trost spendende Frische. Sie sind nicht revolutionär oder sensationell, wirken vielmehr im Kleinen, in der Stille, und klingen in ihrer Schlichtheit nach. Sie können zu Tränen rühren und Mut machen, schieben dem Jugendwahn ebenso einen Riegel vor, wie sie jene, die angesichts körperlicher Hinfälligkeit zu verzweifeln drohen, aufrufen, nicht in Selbstmitleid zu zerfließen, sondern sich daran zu erinnern, welch wunderbares Geschenk das Leben ist und wie viel Schönes
sich auch im hohen Alter entdecken lässt, denn „Du bist nie zu alt, um glücklich zu sein.“

Ein Beispiel dafür ist die Dichterin selber, deren Weg als Bestseller-Autorin keineswegs vorgezeichnet war. Geboren am 26. Juni 1911 in Tochigi, schloss sie mit 20 eine vermittelte Ehe, in der sie nicht glücklich war, sodass sie sich nach einem halben Jahr wieder scheiden ließ. Mit 33 Jahren heiratete sie erneut; wenig später wurde 1945 ihr Sohn Ken‘ichi geboren. Als 1992 ihr Mann starb und Rückenschmerzen sie zwangen, ihr Hobby, den traditionellen japanischen Tanz, aufzugeben, begann sie auf Anregung ihres Sohnes damit, abends im Bett oder vor dem Fernseher Gedichte zu schreiben. 42 von ihnen veröffentlichte sie im Herbst 2009 im Selbstverlag; 2010 wurden sie als Neuauflage bei Asuka Shinsha ein Bestseller mit einer Auflage von 1,6 Mio. Der deutsche Untertitel „Lebensweisheiten einer Hundertjährigen“ übertreibt, war Shibata, als die Gedichte publiziert wurden, doch erst 98 Jahre alt; sie wurde 2011, als ihr zweiter Gedichtband erschien, 100.
Stets berührte sie mit ihren Versen die Herzen ihre Landsleute, u.a. mit „An dich im Katastrophengebiet“ (Hisaichi no anata ni) nach der Dreifachkatastrophe vom März 2011, das in vielen japanischen Internet-Foren zitiert wurde. SHIBATA Toyo starb am 20. Januar 2013 in Tōkyō im Alter von 101 Jahren nach einem erfüllten Leben.

Toyo SHIBATA: Du bist nie zu alt, um glücklich zu sein. Lebensweisheiten einer Hundertjährigen. Aus dem Japanischen von
Ursula Gräfe unter Mitarbeit von Kimiko Nakayama-Ziegler (105 S., gebunden; ISBN 978-3-86612-337-3. Pendo Verlag in der
Piper Verlag GmbH, München 2012. Euro 14,99)

Videl

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Buchvorstellung: „Sunshine for Japan“
« Antwort #5 am: 01. Juni 2013, 15:07:40 »
Die in Dortmund ansässige Iranerin Mansoureh Rahnama spürte wie viele andere direkt nach der Dreifachkatastrophe vom März 2011 und ihren weit reichenden Folgen das Bedürfnis, etwas für die Betroffenen zu tun. Sie initiierte das Projekt „Sunshine for Japan“, mit dem Designer weltweit dazu aufgerufen wurden, ihre Plakatentwürfe zum Thema
„Sunshine for Japan - Deine Farben können das Land der aufgehenden Sonne wieder erhellen“ einzureichen. Diese Aufgabe
ermöglichte es den Künstlern, die Ereignissein einem ihnen vertrauten Medium zu verarbeiten und damit zugleich den Überlebenden Mut zu machen; auch hoffte man, durch Versteigerung der Poster eine finanzielle Unterstützung leisten zu können.
Innerhalb weniger Monate trafen 589 Poster ein, unter denen eine international besetzte Jury 100 Plakate auswählte und prämierte, die zuerst in der FH Düsseldorf und inzwischen in Auswahl an verschiedenen Orten in Deutschland, Japan, Russland etc. gezeigt wurden. Der zur Eröffnung einer weiteren Ausstellung am 9. März 2013 in Dortmund erschienene Katalog präsentiert erstmalig alle 100 ausgezeichneten Plakate.
Sie beeindrucken durch ihre visuelle Kraft, durch ihre unterschiedliche
graphische Umsetzung des Themas und inhaltliche Bandbreite und damit durch die vielfältige Art des Umgangs mit den Ereignissen, denen jeder Designer seine eigene Deutung und damit seinen individuellen Stempel aufdrückt. Unter den  Stichworten „Faith“, „Disaster“, „Reflection“ und „Continuance“ sind den Postern Gedichte, Gedanken, Aufsätze und andere Beiträge zahlreicher internationaler Autoren (u.a. von SAKAMOTO Ryūichi, Gert Scobel, Angelica Guzmán, Rui Zink u.v.m.) in 13 Sprachen (stets auch Englisch) zur Seite gestellt worden, die die Aussagekraft noch weiter vertiefen.

Eine eindrucksvolle Publikation! „Sunshine for Japan“ Project Sunshine for Japan. Posters, Stories and Poems about Fukushima. Ed.: Mansoureh Rahnama. (272 S., 152 Abb., gebunden; ISBN 978-3-86206-219-5. Verlag Kettler, Bönen 2013. Euro 29,90)

Videl

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Buchvorstellung: KAWAKAMI Hiromi: Ehe im Aus
« Antwort #6 am: 01. Juni 2013, 15:10:37 »
KAWAKAMI Hiromi (*1. April 1958 in Tōkyō) begeisterte vor Jahren mit der zarten Liebesgeschichte „Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß“ deutsche Leser. Seitdem sind weitere Romane in Deutsch erschienen, zuletzt Anfang 2013 Kazahana (2008; eig.: „vom Wind verwehte Schneeflocken“).
Im Mittelpunkt von „Bis nächstes Jahr im Frühling“ - so der deutsche Titel - steht die Mittdreißigerin Noyuri, die durch einen
anonymen Anruf erfährt, dass ihr Mann Takuya seit Jahren eine Geliebte hat. Diese, Sayuri, entpuppt sich als jung, selbstbewusst und zielorientiert; sie erklärt Noyuri sachlich, sie wolle Takuya nicht heiraten und überlasse ihr die Entscheidung, wie es weitergehen solle. Doch gerade dies überfordert Noyuri: Anstatt auszurasten oder die Scheidung zu beantragen, reagiert sie über Monate mit Hilflosigkeit, lebt in einem Schwebezustand. Sie erfährt, dass auch ihr Vater eine Geliebte hatte, beginnt, in einer Arztpraxis zu arbeiten, und versucht, sich über ihre eigenen Gefühle und Wünsche klar zu
werden. Als ihr Mann nach Kōbe versetzt wird, begleitet sie ihn, nimmt sich jedoch bald eine eigene kleine Wohnung. Nun scheint sich Takuya wieder um sie zu bemühen, und so begibt sich Noyuri mit ihm auf eine gemeinsame Reise…

In klaren Bildern und mit für sie typischen Einblicken in die japanische Esskultur skizziert Kawakami lakonischdistanziert
über zwei Jahre Szenen einer zerfallenden Ehe, in der Emotionen weitgehend unter der Oberfläche bleiben; sie beschreibt trostfrei die Schwierigkeit, sich aus einer angestammten Rolle zu lösen, Sehnsucht nach Geborgenheit, die mühsame Suche nach Selbständigkeit und Glück und die Wichtigkeit, sich letztendlich zu entscheiden.

Hiromi KAWAKAMI: Bis nächstes Jahr im Frühling. Roman. Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe und Kimiko Nakayama-Ziegler. (221 S., gebunden; ISBN 978-3-446-24128-2. Hanser Verlag, München 2013. Euro 19,90)

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Buchvorstellung: TAKAHASHI Katsuhiko: Kunst-Krimi
« Antwort #7 am: 01. Juni 2013, 15:13:15 »
Bis heute ranken sich diverse Theorien um den Holzschnitt-Künstler Sharaku, dem 140 charakteristische, satirisch anmutende
Schauspieler-Porträts von 1794/95 zugeschrieben werden. Dies machte sich TAKAHASHI Katsuhiko (*8. Juni 1947 in Kamaishi/
Präfektur Iwate) in seinem Roman-Erstling „Auf der Suche nach Sharaku“ (Sharaku satsujin jiken, wörtl. „Der Sharaku-Mordfall“) zunutze, für den er gleich im Erscheinungsjahr 1983 den bedeutenden Edogawa Rampo Preis erhielt.

In diesem „Kunst-Krimi“ mit seinen überraschenden Wendungen dreht sich alles um die Frage nach der wahren Identität
Sharakus. Als der junge Wissenschaftler Tsuda zufällig an ein Buch mit neuen Hinweisen gerät, beginnt er - unterstützt von einem Freund und dessen hübscher Schwester - mit Nachforschungen, entwickelt eine überzeugende These, die sein
Professor kurzerhand als die eigene ausgibt, und gerät zwischen die Fronten zweier rivalisierender Holzschnitt(ukiyoe)-Gruppen. Angesichts vieler Namen und Theorien muss der Leser gerade anfangs Geduld beweisen, ehe sich die Story nach einem Selbstmord und einem sich als Brandstiftung entpuppenden Unfall allmählich zuspitzt und spätestens mit dem Anschlag auf Tsudas Freund zeigt, dass auch Kunst mörderische Gefahren in sich birgt...

Das Interesse an ukiyoe-Künstlern der Edo-Zeit (1603-1868) verließ Takahashi nicht: 1986 folgte der „Hokusai-Mordfall“, 1989 der „Hiroshige-Mordfall“, auf deren deutsche Übertragung man gespannt sein darf. TAKAHASHI Katsuhiko: Auf der Suche nach Sharaku. Roman. (japanedition) Aus dem Japanischen von Sabine Mangold und Hayasaki Yukari, hrsg. von Eduard Klopfenstein. (272 S., gebunden; ISBN 978-3-86124-918-4. bebra Verlag, Berlin 2013. Euro 26,-)

Videl

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Buchvorstellung: HIGASHINO Keigo: „Verdächtige Geliebte“
« Antwort #8 am: 01. Juni 2013, 15:20:30 »
HIGASHINO Keigo (*4. Februar 1958 in Ōsaka) zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Krimiautoren Japans. Immer wieder wurden seine Werke verfilmt, darunter auch Yōgisha X no kenshin (wörtlich: „Selbstaufopferung des Tatverdächtigen
X“), das für den Edgar Allen Poe Award 2012 nominiert war.

Seit einigen Monaten liegt der Kriminalroman in einer gelungenen Übertragung Ursula Gräfes aus dem Japanischen vor und
erschien im Januar 2013 bereits in 5. Auflage. Die attraktive, allein erziehende Yasuko hat sich für ihre Tochter, die  Mittelschülerin Misato, nach zwei gescheiterten Ehen und der jahrelangen Arbeit in Nachtclubs endlich ein normales Leben als Verkäuferin von o-bentō (Lunchboxen) im kleinen Laden „Benten-tei“ aufgebaut.
Doch dann taucht eines Tages überraschend ihr zweiter Ex-Mann Togashi im Geschäft auf, der sie einst geschlagen und nach der Scheidung immer wieder mit Geldforderungen bedrängt hatte. Als er ihr nach Hause folgt und sie dort erneut erpresst, eskaliertdie Situation. In Panik versuchen Yasuko und Misato, einander beizustehen, und so erwürgt Yasuko Togashi mit dem Kabel des unter dem Wohnzimmertisch angebrachten Heizöfchens (kotatsu). Doch was nun? Gut, dass der in sich gekehrte Mathematiklehrer Ishigami, der in der Nachbarwohnung wohnt und vom sonderbaren Lärm angelockt wurde, heimlich in Yasuko verliebt ist und daher Tag für Tag bei ihr sein o-bentō kauft. Das Mathe-Genie bietet an, die Leiche zu entsorgen, ersinnt eine ausgeklügelte Vertuschungsaktion, um Yasuko vor dem Gefängnis zu bewahren, und gibt von da an Mutter und Tochter genaue Anweisungen, wie sie sich verhalten sollen. So steht die Polizei zum Bedauern von Kommissar Kusanagi vor einem Alibi ihrer Hauptverdächtigen, das sie nicht zu knacken vermag. Aber dann erwächst Ishigami in seinem einstigen Studienfreund, dem Physiker  D. Yukawa und Berater Kusanagis, ein ihm geistig ebenbürtiger Gegner…

Yōgisha X no kenshin ist ein raffinierter, psychologisch hochinteressanter Kriminalroman, der weitgehend ohne Blut und grausame Details auskommt und dem Leser dennoch unter die Haut geht. Ein Muss für Krimifans! HIGASHINO Keigo 
"Verdächtige Geliebte" Kriminalroman.
Aus dem Japanischen von Ursula Gräfe. (320 S., gebunden; ISBN 978-3-608-93966-8. Verlag Klett-Cotta, Stuttgart,
Euro 19,95)